Wie ich mich fühle?
Ausgeraubt!
Ausgeraubt ist unser neuer Running-Gag, auch wenn es eigentlich äußerst unlustig ist. Man kann gar nicht glauben, wie viele Witze man über sich selbst machen kann, nachdem einem einfach mal alles geklaut wurde.
Aber von vorne.
Saskia, Tanja und ich flogen also nach London. Flug billig dank Blind Booking, Hostel ganz billig gefunden im Londoner Stadtteil „Peckham“.
Erste grandiose Neuigkeit- Die U-Bahn streikt mal wieder!
Konsequenz: Wir enden zwar irgendwo in Peckham, aber nicht da, wo wir hinmüssen. Und wir erkennen: Peckham ist ein fucking Ghetto! („Fucking“ wurde Schlagwort Nummer zwei unseres Trips)
Wir waren die einzigen weißen, die Häuser waren, naja, interessant; auf der Straße liefen Menschen rum die entweder total stoned waren oder so aussahen, als könnten sie dich mit ihrem Tascheninhalt stoned machen.
3 kleine, deutsche Mädels laufen also um 22 Uhr durch Peckham und suchen ihr Hostel. Interessanterweise kannte es niemand. Nach stundenlangem suchen finden wir eine Polizeiwache und fragen nach. Mysteriöserweise wissen die sofort, welches Hostel wir meinen.
Wir denken uns nichts dabei, bedanken uns brav und landen 20min später tatsächlich in „Peckham Lodge“.
Vielleicht hätten uns Internet-Bewertungen wie diese stutzig machen müssen… „Dies muss das schlimmste Hotel ist, in dem ich je übernachtet habe.“ …. „This has to be the worst hotel i have ever visited or stayed at. The staff are rude. The rooms are disgusting and are reminiscent of seedy red light district hotels.“ …. „Das Hotel verdient noch nicht mal einen halben Stern. Es war einfach nur schrecklich.“ und so weiter.
Das einchecken gestaltete sich als sehr komplex, da die beiden Mitarbeiter kaum Englisch sprachen. Sehr wahrscheinlich waren sie auch einfach total bekifft, falls wir ihre Pupillen richtig gedeutet haben.
Irgendwann kommen wir also auf unser Zimmer… Kein Luxus, aber okay. Haben ja auch nicht viel erwartet. Schnell Sachen aufs Bett geworfen, Fertig gemacht und ab geht’s! Schnell zur Rezeption und gefragt, wo die Busse Richtung Camden fahren, ein paar schöne Stunden in London Downtown, auch wenn die Pubs mal wieder alle schon geschlossen hatten. Immerhin haben wir n paar lustige Menschen kennengelernt.
Gegen 3 Uhr kommen wir zurück. Fix und fertig, freuen uns aufs Bettchen. Schließen mit der Chipkarte unser Zimmer auf und merken sofort… Scheiße. Hier stimmt was nicht! Ganz und gar nicht!
Saskia Rucksack liegt leer auf dem Boden. Tanjas Tasche ist ganz weg. Mein Rucksack und einiges was daneben lag ist weg.
PANIK!
Wir zur Rezeption, drei panische Mädels stammeln also nun, dass die bestohlen wurden. Was machen die Rezeptionisten? „Oh… well… hmf… Are you sure?“ Igendwann geht einer mal mit gucken, wirft uns noch dezent vor, das könnte alles gar nicht stimmen.
Zurück zur Rezeption. Wir bestehen darauf, dass die Polizei gerufen wird. Rezeptionist geht nach einigem hin und her in einen Nebenraum. Kommt irgendwann wieder, wir sollten doch mal wenn wir Lust haben zur Wache laufen.
Währenddessen habe ich die Videoüberwachung bemerkt, frage ob er nicht schnell die Bänder checken kann. Immerhin zeigt eine direkt auf unsere Zimmertür. Es folgt eine Minute komischer, unverständlicher Ausreden.
Nun gut, wir drei laufen also Nachts durchs Ghetto, 20min zur Police Station. Wo diese ist wissen wir ja zufälligerweise. Von zwei netten Polizistinnen werden wir erstmal ein bissl bemuttert und beruhigt, der Fall wird aufgenommen und wir bekommen ein paar nette Informationen.
So wohnen in Peckham Lodge nicht nur Touristen, sondern auch jede Menge Kriminelle. Unser Fall ist einer von unzähligen. Und der Hosteltyp hat NICHT bei ihnen angerufen, während er im Nebenzimmer war. Offensichtlich haben die alles versucht, um einen Kontakt zwischen uns und der Polizei zu vermeiden.
Mit den neuen Informationen haben wir nun also richtig Angst, zurück zum Hostel zu gehen und unsere handvoll restlichen Dinge zu holen. Das wir die Nacht nicht dort verbringen war uns sofort klar.
Also werden wir im Polizeiauto zurück zum Hostel gefahren, gehen mit 2 Polizisten in unser Zimmer, holen unsere Sachen und verbringen die Nacht im Flur der Peckham Police Station.
Uns ist so ziemlich klar, dass die Leute vom Hostel unsere Sachen geklaut haben. Wer sonst hatte den Schlüssel, die Information das wir ein paar Stunden weg sind und so weiter und so fort. Die Polizei hat uns das auch schon mehr oder weniger unter der Hand bestätigt.
Insgesamt für uns drei ein Schaden von ca. 900 €.
Und einen versauten Kurzurlaub.
Und jetzt ist auch noch jeglicher Witz und Ironieanteil, mit dem ich diesen Bericht würzen wollte, verloren gegangen.
Aber ich hoffe einfach mal, dass irgendjemand sich diesen Bericht durchliest, bevor er da n Zimmer mietet und sich daran hält:
!!!!!!!!!! NEVER STAY AT PECKHAM LODGE !!!!!!!!!!!!